Meinung

Einige persönliche Anmerkungen zum Hass

Einige persönliche Anmerkungen zum Hass

Quelle: Gettyimages.ru © LisaValderSymbolbild

Von Tom J. Wellbrock

Mein am 17. März 2024 erschienener Text über den Hass erfuhr viele Reaktionen. Meistens war der Tenor, Hass sei kein gutes Gefühl, man solle die Finger davonlassen, es bringe nichts, sondern belaste nur einen selbst. Wut oder Zorn, das seien angemessene Gefühle, mit denen sich “arbeiten” ließe. Hass dagegen sei kontraproduktiv. Es folgen einige Kommentare unter meinem Artikel:

“Vielleicht sollte sich, aus Verantwortung der restlichen Gesellschaft gegenüber, jeder selbst an der Nase packen und sich fragen, ob er wirklich hassen möchte.

Gegen die oben genannten Protagonisten darf – ja, sollte – man ja durchaus Ablehnung empfinden. Mehr ist aber nicht ratsam, da man sonst selbst ungenießbar wird. Und das bringt niemandem etwas.”

Oder dieser:

“Ich kann und will nicht hassen. Nie. Dann hätten ‘DIE’ gewonnen. Wütend will ich sein und zornig. Aber Hass soll nicht mein Herz beschmutzen. Ich will lieben.”

Oder auch dieser:

"Sie sollten endlich die Waffe ergreifen": Theaterregisseur will Hofreiter an die Front schicken

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“Sie sollten endlich die Waffe ergreifen”: Theaterregisseur will Hofreiter an die Front schicken

“Ärger ist eine normale Reaktion, wir ärgern uns und sollten dafür sorgen, dass Ärger nicht in Hass umschlägt und Wut und Zorn umarmen.

Hass ist ein Geistesgift und auch wenn die ‘Welt da draußen uns’ vergiften will, und das will sie, sollten wir uns reinigen, auch wenn es schwerfällt. Hass beschädigt nur uns selbst und kann schwere Krankheiten erzeugen. Das Heilmittel ist zunächst Selbstliebe.”

Viele Kommentare gingen in eine ähnliche Richtung, doch es gab auch “Ausreißer” wie diesen:

“Die Spuren der Esoterikpropaganda sind überall sichtbar. Hass ist eine völlig natürliche Emotion und nicht per se schädlich oder schlecht.”

Oder diesen:

“Ich kann mir auch nicht helfen. Wenn ich den Narzissten und Psychopathen in Berlin zuhöre, packt mich immer wieder von Hass begleitete Wut.”

Wie gesagt, die letzten beiden zitierten Kommentare waren Ausnahmen, der Tenor ging eher in die zuvor zitierte Richtung. Bevor ich auf die Bedeutung des Hassens eingehe, möchte ich aufzeigen, wie widersprüchlich die Debatte ist.

Guter Hass, schlechter Hass

Sicher erinnern Sie sich an die “Demos gegen rechts”, auf der eine große Zahl von Menschen Seite an Seite mit Regierungspolitikern teilgenommen hat. Und bestimmt wissen Sie, dass Slogans wie diese gang und gäbe waren und allgemein akzeptiert wurden:

“Ganz Berlin hasst die AfD.”

Ebenfalls in Erinnerung dürfte Ihnen dieses Plakat geblieben sein:

Die Reaktionen auf meinen Artikel passen nicht so richtig zu diesem Hass, der scheinbar gesellschaftlich akzeptiert und sogar unterstützt wird. Es sind die vermeintlich Friedliebenden, die keine Skrupel zeigen, ihren Hass nach außen zu tragen und sich dafür als verständnis- und liebevoll feiern zu lassen.

Nun könnte man entgegnen, man dürfe sich damit nicht gemein machen und die gleiche Methode anwenden bzw. dem gleichen destruktiven Gefühl erliegen. Aber damit begibt man sich in die Defensive und in die Handlungsunfähigkeit. Und in die Unfreiheit.

Hass nach Fromm

In dem verlinkten Artikel verweise ich auf den “reaktiven Hass” nach Erich Fromm, der darüber schreibt:

“Unter reaktivem Hass verstehe ich eine Hassreaktion, die entsteht aufgrund eines Angriffs auf mein Leben, meine Sicherheit, auf meine Ideale oder auf eine andere Person, die ich liebe oder mit der ich identifiziert bin. Reaktiver Hass setzt immer voraus, dass jemand eine positive Einstellung zum Leben, zu anderen Menschen und zu Idealen hat. Wer stark lebensbejahend ist, wird entsprechend reagieren, wenn sein Leben bedroht ist.”

"Ich schäme mich": Deutsche Politiker gehen auf den Papst los

"Ich schäme mich": Deutsche Politiker gehen auf den Papst los

“Ich schäme mich”: Deutsche Politiker gehen auf den Papst los

Für mich ist das ein entscheidender Punkt, denn wir befinden uns in einem Zustand größter Gefahr. Die Gefahr eines bewusst und gewollt provozierten Krieges gegen Russland steht im Raum, und die Tatsache, dass sich die, die diesen Krieg heraufbeschwören, als ehrenhafte Kämpfer für den Frieden aufspielen, sollte Ausgangspunkt zahlreicher abneigender Emotionen sein.

Im Sinne Orwells nehmen die, die den Krieg forcieren, für sich den Friedenswillen in Anspruch, behaupten, der Papst sei ein Kriegstreiber und die Menschen, die für Verhandlungen auf die Straße gehen, seien “Lumpenpazifisten”, also Geschöpfe, die den Frieden und den “richtigen” Weg dorthin nicht zu schätzen wissen.

Wenn von mir erwartet wird, dass ich dieser Praxis und der daraus resultierenden Lebensgefahr mit Liebe und Toleranz begegnen soll, liegt meiner Meinung nach ein genereller Denkfehler vor. Das unausgesprochene oder ausgesprochene Verbot des Gefühls des Hassens leistet den Kriegstreibern nur Vorschub auf ihrem Weg und dem Versuch, die Eskalation weiterzuführen, so weit, bis es am Ende – im wahrsten Sinne des Wortes – knallt.

Ebenfalls unproblematisch scheint der Russenhass zu sein, der Ausmaße angenommen hat, die ebenfalls die Kriegsgefahr erhöhen. Einhergehend mit diesem Russenhass wird jede russische Reaktion darauf als Beweis ausgelegt, den eigenen Hass auf das Russische zu rechtfertigen und auszubauen. Putin und seine Landsleute haben sich gefälligst mit dem ihnen entgegengebrachten Hass abzufinden, er sei begründet, während die Empörung darüber nur die Hassenden in ihrem abscheulichen Vorgehen bestätigt.

Im Übrigen sind es oft auch die, die Toleranz und Liebe predigen, die auf den russophoben Zug mit aufspringen. Sie übernehmen ungeprüft und unhinterfragt die Hassbotschaften der Hetzer und machen dafür den russischen Adressaten verantwortlich. Belege brauchen sie nicht, sie nehmen, was sie kriegen, und sie kriegen es von denen, die in ihnen den Hass einpflanzen und weiter vertiefen wollen. Kurz: Sie machen mit und merken es nicht einmal.

Hass nach Habeck

Habeck-Ministerium plant Rückbau des Gasnetzes

Habeck-Ministerium plant Rückbau des Gasnetzes

Habeck-Ministerium plant Rückbau des Gasnetzes

Erneut bitte ich Sie, sich zu erinnern: Wissen Sie noch, was Ihnen gesagt wurde, als die Bundesregierung das schlechteste Gesetz auf der Welt beschlossen hat? Das Gebäudeenergiegesetz, das ganz Deutschland zu einem Wärmepumpenland machen sollte, hatte gravierende Auswirkungen auf die Energieversorgung auf der einen, aber auch auf die psychische Gesundheit der Menschen auf der anderen Seite.

Ihnen, liebe Leser, wurde jedoch gesagt, Sie müssten sich keine Sorgen machen, und Kanzler Olaf Scholz kam mal wieder mit seinem “Niemand wird alleingelassen” um die Ecke, alles werde behutsam und für die Bürger ungefährlich umgesetzt werden. Hieß es.

Nun aber lesen wir auf RT nach:

“Es wird eng für Millionen Gaskunden im Land. Die Regierung plant den Rückbau des Gasversorgungsnetzes, das künftig wegen des ‘Umbaus der Wärmeversorgung’ in der derzeitigen Form nicht mehr benötigt werde. Hausbesitzer und Mieter könnten diese Pläne teuer zu stehen kommen.”

In einem 23-seitigen Papier heißt es dazu nüchtern und emotionslos:

“Gasverteilernetze für die bisherige Erdgasversorgung werden dann in der derzeitigen Form und Umfang nicht mehr benötigt werden.”

RT ordnet die Pläne wie folgt ein:

“Dies hätte zur Folge, dass zahlreiche Haushalte künftig nicht mehr mit Gasheizung heizen könnten. Derzeit wird jeder zweite Haushalt mit Gas beheizt. Die Gas-Alternativen Wasserstoff und Biomethan werden laut dem Ministerium nur begrenzt zur Verfügung stehen. Ein Großteil der Wohnungen und Häuser müsste deshalb auf Fernwärme oder Wärmepumpe umgerüstet werden.

In dem Papier heißt es weiter, dass Gaskunden rechtzeitig über mögliche Stilllegungen informiert werden müssten. Die Wärmeversorgung solle gesichert werden, die Umbaukosten sollten ‘möglichst gering gehalten’ werden. Trotzdem dürfte der Zwang zum Heizungstausch zahlreiche Eigentümer mit existenzbedrohenden Kosten konfrontieren.”

Da es ähnliche Pläne bereits im Mai 2022 gegeben hatte, aber der damalige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Patrick Graichen, in die Kritik wegen Vetternwirtschaft geraten war, verschwand das Vorhaben vorerst in der Versenkung.

Jetzt taucht es wieder auf, und die Folgen bei der Umsetzung wären gravierend und existenzbedrohend für unzählige Mieter und Hauseigentümer. Einmal mehr wird gegen die Menschen gearbeitet, ihre Energieversorgung und ihre Existenz geraten in erhebliche Schieflagen, und der Grund dafür sind “tolerante” und “liebevolle” Pläne der am Ende wohl vollständigen Zerstörung der Lebensgrundlagen dessen, was man Wohlstand nennt.

Ich spüre den Krieg und stehe zu meinem Gefühl

Inzwischen spüre ich den Krieg auch in mir. Die Kiesewetters, Roths, Strack-Zimmermanns und Baerbocks lassen mir keine Wahl. Natürlich könnte ich versuchen, auf den Hass der Kriegstreiber mit etwas anderem als Hass zu reagieren. Aber sie greifen mich an, meine Art zu leben, meine Werte, sie bringen nicht nur mich, sondern auch die, die mir lieb und teuer sind, in Gefahr.

Hass als Reaktion mag nicht zielführend sein, wenn die Bahnpreise steigen oder im Land Käseknappheit herrscht. In solchen Fällen reichen Wut, Zorn, vielleicht auch Desinteresse aus, je nachdem, wie ernst man diese Maßnahmen nimmt oder wie direkt man von ihnen betroffen ist.

Das grüne Desperado-Prinzip: Es muss unumkehrbar sein

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Doch hier geht es um das Leben, auch um das Überleben, und es ist gerade die Ignoranz gegenüber diesen Gefahren, die uns beigebracht wurde. Die meisten von uns glauben es eben doch, weil sie es glauben wollen, dass unsere Politiker uns nicht einer Kriegs-, einer Lebensgefahr aussetzen. Doch das ist für mein Empfinden ein fataler Irrtum! Wir erleben es doch jeden Tag: Die Absurdität, mit der Putin für das Unvermögen und die durch Interessen geleiteten Entscheidungen unserer Politiker verantwortlich gemacht wird, sollte eigentlich jedem auffallen. Warum geschieht das nicht?

Weil unsere Aufmerksamkeit auf den “Kampf gegen rechts” gelenkt wird (was ist eigentlich rechter als die Bereitschaft, Krieg zu führen?), weil wir uns “erziehen” lassen, hin zum „Verbot von “Hassrede” und “Hetze”. Wo fängt Hassrede an, wo hört sie auf? Wer hetzt denn jeden Tag, wer verbreitet Hassbotschaften, wer rüstet auf und nimmt keine Rücksicht auf die lebensbedrohenden Folgen?

Ich spüre den Krieg in mir, er wurde mir implantiert von Wahnsinnigen, die vor nichts zurückschrecken. Warum sollte ich sie dafür nicht hassen? Warum sollten meine Emotionen über Wut und Verachtung nicht hinausgehen? Wer will mir erzählen, dass seine Verachtung, seine Wut gegenüber den Menschenfeinden gerechtfertigt ist, mein entstehender Hass aber nicht?

Und noch einmal: Meine Sicherheit, meine Ideale, meine Liebsten, mein Leben, all das wird angegriffen, es ist in Gefahr, und ich kann genau benennen, wer dafür verantwortlich ist. Für die Skrupellosigkeit, mit der ich konfrontiert werde, ohne danach gefragt zu werden, ohne die Entscheidung treffen zu können, davon ausgenommen zu werden, dafür hasse ich die Verantwortlichen.

Dies ist ein Plädoyer für den Hass, für das widerständige Gefühl, das er mit sich bringen kann, für die Gegenwehr, die der Bedrohung des Lebens folgen sollte. Ich lasse mir nicht sagen, wen ich zu hassen habe und wen nicht, wie gut oder schlecht meine eigenen Emotionen sind. Sie gehören mir. es ist meine Sache, wie ich mit ihnen umgehe.

Jeder möge mit seinen Empfindungen verfahren, wie er mag, wie er glaubt, dass es für ihn richtig und gesund ist. Ich aber würde mich belügen, würde ich behaupten, dass es nicht der Hass ist, der in mir erwächst, wenn ich die Verantwortungslosigkeit und den Hass derer sehe, die damit andere Menschenleben gefährden.

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Das ist nämlich der große Unterschied zwischen meinem Hass auf die Menschenfeinde und dem Hass der Menschenfeinde auf mich: Mein Gefühl ist etwas, das tief in mir ist, das meine persönliche Herangehensweise ist, mit den Angriffen auf mich umzugehen. Ich schade damit niemandem.

Der Hass der Menschenfeinde aber hat Auswirkungen, die millionenfach, sogar milliardenfach sein können. Er ist die Basis allen menschlichen Übels, die Machtbasis der Hassenden ist die Gefahr, mit der wir rechnen und auf die wir reagieren müssen.

Hass mag Hass erzeugen, und wenn dem so ist, habe ich ihn nicht erzeugt, sondern ihn reaktiv entwickelt. Wenn er am Ende den Kriegstreibern Einhalt gebietet, hatte er seine Berechtigung. Und nichts wäre mir lieber, als ihn so schnell wie möglich wieder abzulegen.

Tom J. Wellbrock ist Journalist, Sprecher, Texter, Podcaster, Moderator und Mitherausgeber des Blogs neulandrebellen.

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