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Indiens neue Außenhandelspolitik forciert Zerschlagung der Vorherrschaft des Dollars

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Quelle: Gettyimages.ru © Prot Tachapanit / EyeEmSymbolbild

Ein Kommentar von Joydeep Sen Gupta

Indiens neue Außenhandelspolitik, die am 1. April in Kraft trat, zielt darauf ab, die Geldpolitik des Landes von der Vorherrschaft des US-Dollars zu lösen und die eigene Währung, die Rupie, zu stärken. Dahinter steht die Absicht, die Exporte anzukurbeln und die eigenen Devisenreserven zu schonen.

Im Jahr 2022 beliefen sich Indiens Exporte auf 453,3 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht – trotz einer Verlangsamung des Welthandels. Indien wurde im vergangenen September mit 3,18 Billionen US-Dollar zur fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt, obwohl die COVID-19-Pandemie den Weg in Richtung fünf Billionen US-Dollar um weitere zwei Jahre verlangsamte.

Inmitten robuster Aussichten beim Wirtschaftswachstum ist Indien bereit, mit jenen Ländern in Rupien zu handeln, die mit einem akuten Mangel an US-Dollar konfrontiert sind, so der Handelsminister des Landes, Sunil Barthwal. Santosh Kumar Sarangi, der Leiter der Generaldirektion für Außenhandel, hat das nationale Ziel von zwei Billionen US-Dollar an Exporten von Waren und Dienstleistungen bis 2030 formuliert. Darüber hinaus wird Indien ein neues Amnestieprogramm für die einmalige Abwicklung von Ausfällen bei Exportverpflichtungen einführen, so Sarangi. Das System, das bis September in Kraft bleiben wird, zielt auf eine schnellere Beilegung von Handelsstreitigkeiten ab.

Indische Rupie wird global

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Der globale Vorstoß der Rupie erhielt weiteren Rückenwind, nachdem 18 Länder, darunter Russland, Deutschland, Singapur, Israel und das Vereinigte Königreich, dem Handel mit der indischen Landeswährung zugestimmt hatten. Die Reserve Bank of India (RBI), die Zentralbank des Landes, hat diesen Ländern kürzlich die Genehmigung erteilt, importierte Waren in Rupien zu bezahlen. Der Schritt wird Indiens steigendes Handelsdefizit von 233 Milliarden US-Dollar zwischen April 2022 und Januar 2023 reduzieren. Auch der Handel Indiens mit seinen südasiatischen Nachbarn wie Nepal, Bhutan, Bangladesch und Sri Lanka wird zunehmen, da die BRICS-Staaten darauf drängen, den globalen Markt vom US-Dollar abzukoppeln.

Im vergangenen Monat gab die indische Regierung bekannt, dass die indische Zentralbank 60 Anfragen von verschiedenen Banken aus den genannten 18 Nationen zur Eröffnung spezieller “Vostro Rupien Konten” (SVRA), die es ausländischen Banken ermöglichen, Zahlungen in Rupien abzuwickeln, genehmigt hat. Indische Importeure leisten Zahlungen in Rupien, die den SVRA der ausländischen Korrespondenzbank gutgeschrieben werden, während Exporteure Zahlungen aus den SVRA ihrer ausländischen Partner erhalten. Die indische Zentralbank hat auch zugestimmt, dass das überschüssige Guthaben an Rupien in diesen SVRA für Zahlungen bei Projekten und Investitionen, bei der Abwicklung von Importvorschüssen und für Investitionen in Staatspapiere verwendet werden dürfen.

Die neuen Normen der Zentralbank verheißen Gutes für Indien, das in diesem Jahr die Präsidentschaft der G20 innehat. Neu-Delhi möchte diesen elitären Club der Weltwirtschaft nutzen, um auf eine internationale Handelsregelung in Rupien zu drängen, sagte Barthwal. Er glaubt, dass der Handel mit der Rupie mehreren sich entwickelnden sowie auch weniger entwickelten Volkswirtschaften helfen wird, die derzeit mit Währungsproblemen konfrontiert sind. Beim ersten Treffen der Arbeitsgruppe Handel und Investitionen der G20, das Ende März in der indischen Stadt Mumbai stattfand, zeichnete sich ein breiter Konsens bei diesem Vorhaben ab.

Zeit, das “Mobbing” durch den Dollar zu beenden

Während Volkswirtschaften auf der ganzen Welt – insbesondere jene der Schwellenländer – die Nebenwirkungen der US-Geldstraffung spüren, wurde die Debatte über die Beendigung der Dominanz des Dollars im Welthandel neu entfacht. Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die Möglichkeit Washingtons, seine Währung als wirksames Instrument für politische Erpressung und zum Zwang gegen Nationen einzusetzen, die als Gegner betrachtet werden. Von Kuba über den Iran und Syrien bis hin zu Russland wurde den USA vorgeworfen, Nationen willkürliche Sanktionen aufzuerlegen, um eigene wirtschaftliche Interessen zu fördern, während sie gleichzeitig eine unverantwortliche Geldpolitik verfolgen. Mehrere Experten haben den zur politischen Waffe gemachten Dollar als wahrscheinlichen Auslöser genannt, der seiner Dominanz als mächtigster Währung der Welt ein Ende bereiten könnte.

Der Ruf, den US-Dollar loszuwerden, hat sich nach den US-Sanktionen gegen Russland aufgrund des Ukraine-Konflikts noch verschärft. Die Strafmaßnahmen führten dazu, dass ausländische Vermögenswerte russischer Finanzinstitute eingefroren und mehrere große russische Banken vom SWIFT-System abgeschnitten wurden. Dies war ein Signal an die übrige Welt, einschließlich Indien und China, dass die USA ohne Weiteres bereit sind, den Dollar für ihre geopolitische und expansionistische Agenda einzusetzen. Eine neue Regelung ist somit erforderlich, und Währungen wie der chinesische Yuan haben das Potenzial, bei der Bereitstellung einer solchen Alternative eine wichtige Rolle zu spielen.

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Viele Nationen streben danach, die Bedeutung des SWIFT-Systems zu schmälern und es durch innovative Finanzmechanismen zu ersetzen. Diese Maßnahmen würden das Potenzial, SWIFT als Instrument der USA und ihrer Zwangstaktiken zu verwenden, einschränken. Während des Treffens der Finanzminister aller ASEAN-Staaten und der Gouverneure der Zentralbanken auf Bali am 30. März standen beispielsweise Diskussionen darüber ganz oben auf der Tagesordnung, wie die Abhängigkeit von Finanztransaktionen vom US-Dollar, dem Euro, Yen und dem Pfund Sterling verringert werden kann und wie Zahlungen alternativ in regionalen Währungen vorgenommen werden können.

Im Januar wurde die südafrikanische Außenministerin Naledi Pandor in einem Interview mit Sputnik mit den Worten zitiert, dass die Schwellenländer der BRICS gerne einen Weg finden würden, den US-Dollar zu umgehen und einen Mechanismus zu schaffen, der nicht auf die wohlhabenderen westlichen Nationen ausgerichtet ist. Der saudi-arabische Finanzminister Mohammed Al-Jadaan wiederholte die Position von Pandor im vergangenen Januar und sagte, das ölreiche Scheichtum sei offen für Gespräche über die Regelung des Erdölhandels in anderen Währungen als dem US-Dollar.

Nicht so rosig für den Rupie-Rubel-Handel

Obwohl Indien Vollgas gegeben hat, um die Rupie für seinen weltweiten Handel voranzutreiben, sieht die Realität alles andere als rosig aus, da die Währung im vergangenen Jahr erheblich geschwächt wurde. Im Falle des bilateralen Handels zwischen Indien und Russland, der seit Ausbruch des Ukraine-Konflikts rasant zugenommen hat, hat Neu-Delhi jedoch eine gangbare Alternative gefunden.

Indien und Russland haben beschlossen, Waren über Drittländer wie die Vereinigten Arabischen Emirate zu handeln, die gesunde Beziehungen zu beiden Staaten unterhalten. Zudem ist die Währung der Emirate – der Dirham – an den Dollar gekoppelt und profitiert folglich von der globalen Stabilität. Beide Nationen sehen darin den besten Weg, bilateralen Handel zu betreiben und zugleich den Handel mit Rupien, Rubel und Dollar zu vermeiden. Der neue Ansatz widerspricht jedoch dem Versuch der indischen Regierung, den internationalen Handel in Übereinstimmung mit einer Ankündigung vom vergangenen Juli in Rupien zu regeln.

Der Rupie-Rubel-Zahlungsmechanismus erweist sich aufgrund des wachsenden Handelsungleichgewichts zwischen Indien und Russland und mehrerer anderer “Kinderkrankheiten” bisher als schwierig. Russische Banken wie die Sberbank und die Gazprombank, die in Indien tätig sind, stehen einer Anhäufung indischer Rupien ebenfalls skeptisch gegenüber.

Zudem verlor die Rupie im vergangenen Geschäftsjahr 7,8 Prozent, den höchsten Wert seit 2019/2020, und war 2022 mit einem Rückgang von mehr als zehn Prozent eine der schwächsten asiatischen Währungen. Die Rupie beendete das vergangene Geschäftsjahr im März bei 82,18 zu einem Dollar. Angesichts dieser Volatilität scheint die Verwendung des VAE-Dirhams eine vernünftige Lösung zu sein, um eine weitere Intensivierung des bilateralen Handels zu ermöglichen.

Abnehmende Begeisterung für US-Schuldanleihen

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Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem der Trend zur De-Dollarisierung beobachtet wird, sind amerikanische Schuldanleihen. Während Statistiken über ausländische Bestände an US-Anleihen für einen bestimmten Monat oder ein bestimmtes Jahr einfach die Wechselfälle der Märkte und die relative Stärke des Dollars widerspiegeln, geht der langfristige Trend dahin, dass ausländische Zentralbanken weniger amerikanische Schulden ansammeln als früher.

Jahrzehntelang haben die Volkswirtschaften weltweit einen erheblichen Teil der US-Defizite “sterilisiert” – was bedeutet, dass die USA Defizite hatten, die sie mit auf Dollar lautenden Schulden finanzierten, die andere Länder in großen Mengen aufkauften. Allerdings wurde dieses Arrangement – ein wesentlicher Bestandteil der Sonderstellung des Dollars – in den vergangenen Jahren immer weiter abgebaut. Tatsächlich sind die meisten Länder seit 2014 konsequent Nettoverkäufer von US-Staatsanleihen.

Der prominente amerikanische Fondsmanager Luke Gromen hat festgestellt, dass ausländische Zentralbanken zwischen 2002 und 2014 53 Prozent aller ausgegebenen US-Staatsanleihen gekauft haben; von 2014 bis 2022 jedoch nur noch drei Prozent. Tatsächlich kündigte China 2013 an, seine Bestände an US-Staatsanleihen nicht weiter zu erhöhen und ist seit über einem Jahrzehnt Nettoverkäufer von US-Staatsanleihen. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Und da weniger Handel in Dollar abgewickelt wird, müssen auch weniger Dollar in traditionelle Währungsreserven wie US-Staatsanleihen zurückgeführt werden.

De-Dollarisierter Welthandel

Indien und China haben den Schritt zur De-Dollarisierung des Welthandels zusammen mit Russland eingeleitet, dem sich auch Brasilien anschließen wird, während Südafrika in den Startlöchern steht. Die Initiative verbindet die Knotenpunkte des BRICS-Handels. Indien hat Russland für seine Aufkäufe von Rohöl in VAE-Dirham bezahlt und dabei geschätzte 3,6 Milliarden US-Dollar eingespart.

Der Yuan hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige globale Währung etabliert, die dazu beitragen kann, den Dollar von seiner Vormachtstellung zu verdrängen. Der Yuan ist heute die fünfthäufigste Währung im Zahlungsverkehr, die drittgrößte bei Handelsabwicklungen und die fünftgrößte Reservewährung. Um die Situation für mehrere Entwicklungsländer noch schwieriger zu machen, gab es einen exponentiellen Anstieg der Kreditkosten in Dollar, was das Wachstum ihres Außenhandels bremste. Hier könnte eine vergleichsweise günstige Yuan-Finanzierung die globale Sichtbarkeit der chinesischen Währung weiter steigern.

Der Yuan trat im Oktober 2016 dem Korb des Sonderziehungsrechts (SZR) des IWF bei, und seitdem hat die Stärke der Währung erheblich zugenommen. IWF-Daten zeigen, dass der Yuan im vergangenen Jahr 12,28 Prozent des SZR ausmachte. Da Peking Vollgas gibt, um seine Währung als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ins Spiel zu bringen, könnte sich das vorherrschende vom Dollar abhängige System in den kommenden Jahren wandeln. Chinas grenzüberschreitendes Zahlungssystem (CIPS), das eine praktikable Alternative zu SWIFT darstellt, und seine digitale Währung (e-CNY) versprechen, ein dominierendes Zahlungssystem zu werden, um den Warenverkehr zwischen Peking und seinen Handelspartnern voranzutreiben. Der e-CNY könnte zur bedeutenden Reservewährung werden, was die Dollar-Hegemonie brechen würde, während sich die indische Rupie in einer multipolaren Welt als Ergänzung zur chinesischen Währung etablieren könnte.

Die De-Dollarisierung wird wahrscheinlich in einer neuen globalen Ordnung Realität werden, in der die USA aufgrund ihrer wirtschaftlichen Macht nicht mehr das letzte Wort haben. Historisch gesehen ist es der Niedergang einer Währung, die den Niedergang einer Hegemonie ankündigt. Und der Dollar könnte zur Grabinschrift des US-Imperialismus werden.

Aus dem Englischen

Joydeep Sen Gupta ist Asien-Redakteur bei RT.

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