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Klimawandel mit Bürgernähe: ZDF-“Wetterfrosch” Özden Terli fordert Abbau von Wohlstand

Klimawandel mit Bürgernähe: ZDF-"Wetterfrosch" Özden Terli fordert Abbau von Wohlstand

© Screenshot/Internet: HeuteJournal (ZDF)/Wetter/Özden Terlin, 31.3.2022Screenshot/Internet: Das heute-journal des ZDF/Wetter/Özden Terli, am 31. März 2022

Im Interview mit der Redaktion des Portals web.de präsentiert der ZDF-Meteorologe Özden Terli interessante Einblicke in seine Ansichten zum Wetter und zum Klimawandel. Eine derzeit von den Fragestellern heraufbeschworene “historische Hitzewelle” ordnet der 51-Jährige folgendermaßen ein:

“Wir stellen seit Jahrzehnten eine Veränderung in der Luftchemie und der physikalischen Parameter fest, sodass wir sicher sagen können, dass solche Hitzewellen durch die Klimakrise aufgeladen werden.” 

Auf die Frage “Wo sehen wir die Folgen des Klimawandels derzeit am drastischsten?” spannt dann der zumindest beruflich vielfliegende Meteorologe einen großen Bogen – bis hin zu einem eher möglichen Pilzbefall von Menschen, weil der durch die “Erhitzung der Arktis” nun wahrscheinlicher werden könne:

“Ich war gerade in der Arktis, auf Spitzbergen. Dort wird es von Jahr zu Jahr wärmer, sodass der Fjord von Longyearbyen nicht mehr zufriert. Mittlerweile kann man nicht mehr über das Eis laufen, um auf die andere Seite zu gelangen. Diese Erhitzung in der Arktis hat direkte Auswirkungen auf unser Wetter, denn wenn die Luft in der Arktis nicht mehr kalt ist, dann werden auch unsere Winter nicht mehr kalt. Und noch ein drittes Beispiel: Wir Menschen sind aufgrund unserer hohen Körpertemperatur eigentlich gut vor Pilzen geschützt. Aktuell beobachten Forscher, dass sich Pilzarten aber der Erderwärmung anpassen und Menschen befallen.”

Der Fragesteller hatte davon offenbar noch nichts gehört. Daraus schließt Terli:

“Das Thema Klimawandel wird zu wenig von den Medien in einer Form aufbereitet, die die Menschen direkt erreicht. Dabei ist es doch unser Job als Journalisten, den Menschen die Entwicklungen so zu erklären, dass sie ganz konkret nachvollziehbar sind.”

Er meint daher:

“Ja, man kann von einem Versagen im Journalismus sprechen.”

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Die Flutkatastrophe im Ahrtal mit 135 Toten im Sommer letzten Jahres ordnet die Redaktion von web.de – ohne auf das Versagen staatlicher Behörden und den Rücktritt der zuständigen Ex-Ministerin Anne Spiegel einzugehen – als “Teil der Klimakrisen-Kommunikation” ein. Daraus folgt die Frage: “Wird die Debatte, wie wir uns an die Erderwärmung anpassen, engagiert genug geführt?” Darauf erwiderte der ZDF-Meteorologe:

“Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, wenn wir nicht einmal die Prävention hinbekommen, und dann – vor allem in den Industrieländern – über Anpassung reden. Allen muss klar sein: Wenn wir gewisse Grenzen wie die 1,5-Grad-Marke überschreiten, dann gibt es kein Zurück mehr. Aber natürlich: Auch bei der Anpassung gibt es Defizite.”

Um diese “Defizite” zu beheben, geht der Sohn türkischer Einwanderer mit vermeintlich gutem Beispiel voran und fordert den Gesetzgeber gleich auf, diese und ähnliche Maßnahmen für die gesamte Bevölkerung anzuordnen:

“Ich habe darauf geachtet, wenig CO₂ zu emittieren. Ich fahre mit dem Rad oder mit einem E-Auto oder mit der Bahn. Ich fliege privat gar nicht mehr und bin seit 2019 zweimal dienstlich geflogen, um über die Klimakrise zu berichten. Aber ich weiß auch, dass ich theoretisch im Wald leben könnte, ohne dass es großen Einfluss auf den Klimawandel hätte. Deshalb brauchen wir Gesetze, die großskalige Veränderungen bewirken und die Senkung der Treibhausgase massiv vorwärtsbringen.”

Dabei komme man auch nicht drum herum, den “Wohlstand” der Deutschen zu beschneiden:

“Unsere Ressourcen sind endlich. Ich denke, dass wir einen Teil unseres Wohlstands abbauen müssen. Das bedeutet nicht, dass die Menschen leiden sollen. Aber es bedeutet, dass es mit endlosem Wachstum nicht weitergehen kann.”

Angesprochen auf die vielen Krimis in den Öffentlich-Rechtlichen und über eine auch darüber mögliche “Aufklärungskampagne zum Klimawandel”, meint Terli abschließend:

“Wir müssten gar keinen Krimi umwidmen. Es gibt so viele Drehbuchautoren, die ihren Geschichten einen Klimazusammenhang geben könnten. Ein abschmelzender Gletscher als Kulisse für den nächsten Tatort – so käme die Klimakrise in den Alltag der Menschen, genau dorthin, wo sie hingehört.”

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