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Peinlich: Deutschland verschiebt Taktfahrplan der Bahn um 40 Jahre – auf 2070

Peinlich: Deutschland verschiebt Taktfahrplan der Bahn um 40 Jahre – auf 2070

Quelle: Gettyimages.ru © Becker & Bredel/ullstein bildDie Verspätungsanzeige ist falsch: “Ca. 40 Jahre später” muss es heißen.

Von Anton Gentzen

Den Maßstab für ein ideales Bahnsystem setzte einst die Schweiz. 1985 wurde es angekündigt und 1987 beschlossen: ein großangelegtes, landesweites Ausbauprogramm für nationale und die privaten Eisenbahnen und daran anschließende Busstrecken. Jeder Ort sollte erreichbar sein, mindestens im Stundentakt, die größeren Orte (die Großstädte untereinander ohnehin) im Halbstundentakt. Schnell, zuverlässig, präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. An Knotenpunkten sollten Anschlüsse in jede Richtung geboten werden, sodass jeder Ort der Schweiz von jedem anderen Ort der Schweiz aus praktisch ohne Wartezeiten erreichbar ist. Der Name des Programms – Bahn 2000 – war zugleich Zielsetzung: Im Jahr 2000 sollte der landesweite Taktfahrplan in Kraft treten und das öffentliche Verkehrswesen revolutionieren.

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Den Zeitplan konnten auch die sonst pünktlichen Eidgenossen nicht ganz halten: Letztlich trat der sorgfältig geknüpfte landesweite Taktfahrplan 2004 in Kraft. Der nach aktuellen deutschen Maßstäben kleine Zeitverzug war dann aber auch die einzige bittere Pille, die zu schlucken war. Das Bahnsystem in der Schweiz funktioniert seitdem nahezu reibungslos und begeistert Einheimische wie Besucher durch seine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. 

Unter der Rubrik “Klimaschutz” und “Verkehrswende” machte sich Deutschland noch unter der Großen Koalition auf den Weg, den Erfolg der Nachbarn zu kopieren. Auch hierzulande sollte bis zum Jahr 2030 ein landesweites Taktsystem in Gang gesetzt werden. Um mehr Fahrgäste auf die Schiene zu locken, sollte das Angebot zudem auf einigen Strecken nahezu verdoppelt werden: Statt des bisher üblichen Stundentaktes der ICEs sollte der Halbstundentakt Standard auch in Deutschland werden. Die Fahrpläne sind bereits geschmiedet, die Diagramme öffentlich einsehbar. Umgesetzt wurde davon bislang nur der Halbstundentakt zwischen Berlin und Hamburg.

Alltag in der Schweiz, für Stümper-Deutschland offenbar unerreichbar: Ein zuverlässiges, pünktliches und attraktives Bahnsystem.Aleksandra Bakmaz/dpa / Gettyimages.ruChaos an den europäischen Grenzen: Von Leipzig nach Moskau im Auto – Teil 1

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Der Rest bleibt nun auf lange Zeit ein Zukunftstraum. Ausgerechnet unter Regierungsbeteiligung der Grünen (die allerdings schon in der Regierung Schröder keinen Finger für die Verkehrswende, angeblich ihr Leibthema, gerührt hatten) werden die zukunftsweisenden Pläne auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben.

Formal ist es allerdings ein FDP-Minister, der Deutschland mit der neuen Zielsetzung (2070, also nie) zur Lachnummer macht. Volker Wissing, Bundesverkehrsminister, hat sich in seiner Amtszeit bislang nur als russenhassender Wüterich hervorgetan, der zum Leidwesen von Millionen Russlanddeutschen, Deutschrussen und Deutschen mit geschäftlichen oder privaten Verbindungen in den Osten alle Flug- und Bahnverbindungen nach Russland verboten hat. Ansonsten hat er es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, in Peinlichkeit und Inkompetenz seinem Vorgänger in nichts nachzustehen. 

Diese Woche räumte das Bundesverkehrsministerium eine Verspätung des Bahnausbaus um Jahrzehnte ein. Michael Theurer (FDP), Staatssekretär und gleichzeitig Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, sieht den Deutschlandtakt erst “in den nächsten 50 Jahren als Jahrhundertprojekt” umgesetzt. Es sei “immer völlig klar gewesen, dass das Jahrzehnte dauert”, sagte er am Donnerstag dem ZDF.

Dabei hatte sich die Ampel-Regierung zur Verkehrswende bekannt, insbesondere zum Ausbau der Bahn als dem umweltfreundlichsten aller Verkehrssysteme. Wissing hatte das Projekt Deutschlandtakt noch vor einem halben Jahr gar zur “Chefsache” erklärt.

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Nun ist der Deutschlandtakt offenbar auf frühestens 2070 verschoben und Deutschland wieder einmal blamiert. Es sei daran erinnert, dass China nur zwanzig Jahre gebraucht hat, um das mit inzwischen mehr als 42.000 Kilometern Länge weltgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz aus dem Boden zu stampfen. Zum Vergleich: Die Gesamtlänge aller Eisenbahnstrecken (inklusive der heruntergewirtschafteten Nebenstrecken) in Deutschland beträgt 33.500 Kilometer. Für das Jahr 2050 haben die Chinesen den Sozialismus geplant und werden auch dieses Ziel höchstwahrscheinlich pünktlich erreichen, während Deutschland nun 50 Jahre brauchen wird, um sein Bahnsystem  aufzupeppen. Falls es das überhaupt jemals schafft. 

Dieses Land hat so fertig! 

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