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Schwerer Vorwurf von Wissenschaftlern: Verschleiert das PEI Impfrisiken?

Schwerer Vorwurf von Wissenschaftlern: Verschleiert das PEI Impfrisiken?

Quelle: www.globallookpress.com © llstein bild / KontributorSchild des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen (Hessen).

Von Susan Bonath

Laut einem Schreiben, das der Autorin vorliegt, warten fünf deutsche Chemieprofessoren aus Leipzig, Tübingen, Bochum, Erlangen und Winterthur seit einem Dreivierteljahr vergeblich auf Antworten des Paul-Ehrlich-Institutsf (PEI). Demnach überwacht das zuständige, dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellte Institut die bedingt zugelassenen mRNA-Vakzine offenbar völlig unzureichend auf ihre Sicherheit. Mehr noch: Die Methode, mit der es Risikosignale erkennen will, ist offenkundig so fehlerhaft, dass damit selbst Zehntausende Todesfallmeldungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung relativiert würden.

"Erhebliche Bedenken" wegen Impfstoffen: Chemieprofessoren stellen unbequeme Fragen an das PEI

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In ihrem Schreiben beziehen sich die Forscher auf ein Interview, das PEI-Präsident Klaus Cichutek Anfang September der Berliner Zeitung gab. Zwar äußerte er sich darin zu den Fragen der Wissenschaftler. Ihnen zufolge berschreibt Cichutek darin aber lediglich “die Situation, wie sie sein sollte”, nicht, wie sie ist. Dies werfe noch mehr Ungereimtheiten auf. Die fünf Forscher sprechen von einem “Skandal”.

Beobachtete versus erwartete Fälle

Der angeprangerte methodische Fehler des PEI zieht sich durch sämtliche Sicherheitsberichte zu den COVID-19-Impfstoffen. Die Wissenschaftler erläutern das Problem auch für Laien verständlich. Es geht um die sogenannte Observed-versus-Expected-Analyse, kurz OvE-Analyse.

Damit fahndet das PEI nach Risiken durch die Impfstoffe. Nach dieser Methode sollen beobachtete Fälle (observed), etwa Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Todesfälle, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung auftraten, mit statistisch erwarteten entsprechenden Vorfällen (expected) in einer gleichartigen Bevölkerungsgruppe verglichen werden.

Dafür sind zwei Voraussetzungen zwingend zu erfüllen: Erstens müssen valide Daten darüber vorliegen, wie viele Menschen vor der Anwendung der Impfstoffe im untersuchten Zeitfenster in einer gleichartigen Gruppe bestimmte Erkrankungen erlitten oder starben. Zweitens müssen in der geimpften Gruppe sämtliche Vorfälle erhoben werden, und zwar unabhängig vom Verdacht auf einen Zusammenhang mit der Impfung.

PEI erhebt erforderliche Daten nicht

Nur wenn beide genannten Größen valide erhoben werden, kann ermittelt werden, ob in Impfgruppe zum Beispiel mehr Herzinfarkte oder Todesfälle auftraten als erwartet. Doch genau hier liegt das Problem: Die erwarteten Fälle berechnet das PEI aus vorherigen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes oder ausländischer Statistikbehörden, wobei auch hier die genaue Herkunft der Daten und die Art der Berechnung unklar bleibt.

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Für die Gruppe der Geimpften gibt es indes überhaupt keine validen Daten. Denn hier beruft sich das PEI ausschließlich auf die von Dritten, also Ärzten, Patienten oder Angehörigen, gemeldeten Verdachtsfälle. In das passive Meldesystem des PEI gehen aber nur Fälle ein, bei denen Ärzte oder Betroffene explizit den Verdacht haben, dass die Impfung Auslöser war. Die Anzahl tatsächlich aufgetretener Todesfälle oder bestimmter Erkrankungen in einem bestimmten Zeitfenster nach der Impfung ist aber völlig unbekannt – und wird auch nicht erfasst.

Mit anderen Worten: Das PEI erhebt die erforderlichen Daten gar nicht, um beobachtete Vorkommnisse nach der Impfung mit erwarteten entsprechenden Fällen vergleichen zu können. Vielmehr nutzt es dazu passive Meldungen von Fällen, die kaum untersucht werden und nur einen winzigen Teil der tatsächlich aufgetretenen Fälle darstellen. Zudem muss von einer erheblichen Untererfassung in einer ebenfalls nicht untersuchten Größenordnung ausgegangen werden.

Im Folgenden illustrieren die Forscher den kritisierten Fehler anhand des aktuellen Sicherheitsberichts des PEI vom 7. September. Darin berichtet das Institut, dass bis zum 30. Juni 2022 insgesamt 1.436 Todesfälle mit Verdacht auf Impfzusammenhang gemeldet worden waren, die in den ersten 30 Tagen nach einer Spritze mit dem Pfizer/BioNTech-mRNA-Vakzin Comirnaty aufgetreten waren.

In einer entsprechenden Bevölkerungsgruppe hätte das PEI allerdings 138.077 Todesfälle insgesamt erwartet, unabhängig von der Sterbeursache. Die Professoren kritisieren:

“Und aus der Tatsache, dass die Zahl der gemeldeten Verdachtstodesfälle in Höhe von 1.436 nicht statistisch signifikant höher ist als die Zahl der über alle Todesursachen hinweg erwarteten Todesfälle in Höhe von 138.077, schließt das PEI, dass es kein Warnsignal gäbe. Dass sich bei einer solchen OvE-Analyse praktisch prinzipiell kein Warnsignal ergeben kann, ist augenscheinlich.”

Unseriöser Vergleich, der Warnsignale verhindert

Mit anderen Worten: Selbst wenn dem PEI inzwischen 100.000 Todesfälle mit Verdacht auf einen Impfzusammenhang gemeldet worden wären, würde das Bundesinstitut kein Risikosignal erkennen. Denn diese Zahl wäre schließlich immer noch geringer als die erwartete Gesamtzahl aller Todesfälle in einer solchen Gruppe. Das PEI vergleicht also eine geringe Teilmenge, die zufällig in die Meldestatistik eingegangen ist, unseriös mit einer erwarteten Gesamtmenge.

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In seinen Ausführungen gegenüber der Berliner Zeitung geht Cichutek allerdings nicht im Detail auf ausführliche Kritik der Wissenschaftler ein. Seine Ausführungen bleiben nebulös und münden in einem nicht überprüfbaren Gegenvorwurf an die das PEI kritisierenden Wissenschaftler. So erklärte der PEI-Chef:

“Aus Sicht des Paul-Ehrlich-Instituts beurteilt die Gruppe, die in dem Artikel zitiert wird, die OvE-Methode und deren Ergebnisse nicht gründlich. So zeigen die Ergebnisse, dass sich die Schlussfolgerung selbst bei einem erheblichen Underreporting nicht ändern würde.”

Die Chemiker halten in ihrem Schreiben wiederum dagegen. Ihr Vorwurf: Das PEI missachte schlicht die wissenschaftliche Grundlagenliteratur. Die OvE-Analyse des PEI sei “offensichtlich fehlerhaft und folgt in Wirklichkeit nicht methodischen Vorschriften der einschlägigen Literatur”. Sie warnten:

“Fatalerweise führt dieser Fehler dazu, dass sich beispielsweise selbst bei einer extrem hohen Anzahl an gemeldeten impfbedingten Verdachtstodesfällen kein Warnsignal ergeben würde, und das PEI fälschlicherweise behaupten würde, dass die COVID-Impfstoffe sicher seien. Die Ausführungen von Prof. Cichutek verdecken diese Tatsache nur.”

Selbst katastrophale Schäden fielen unter den Tisch

An anderer Stelle konkretisieren die Forscher ihren Vorwurf noch einmal:

“Wie die vorherigen Ausführungen aufzeigen, werden die Anforderungen an ein ‘Signal’ vom PEI aufgrund der verwendeten OvE-Analyse so hoch angesetzt, dass selbst bei gemeldeten impfbedingten Verdachtstodesfällen in sechsstelliger Höhe noch kein Signal ausgelöst werden würde.”

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Dies habe ein PEI-Vertreter bei einer Verhandlung zur Soldaten-Impfpflicht vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) im Juni 2022 sogar explizit bestätigt, so die Forscher. So habe dieser dort die Frage bejaht, ob das PEI selbst bei 75.000 gemeldeten Todesfällen bis Juli 2021 behauptet habe, der Impfstoff sei sicher. Anschließend habe der angehörte PEI-Vertreter bestätigt, dass die Schwelle für ein Warnsignal zum Zeitpunkt der Verhandlung bereits bei gemeldeten Todesfällen im sechsstelligen Bereich liege. Die Autoren konstatieren:

“Es ist offensichtlich, dass das vom PEI verwendete Warnsignal nicht einmal geeignet ist, vor flächendeckend auftretenden Nebenwirkungen von katastrophalem Ausmaß zu warnen.”

Doch ihre bereits im Januar erstmals gestellte Frage, warum diese unseriöse Praxis nicht umgehend geändert werde, haben bisher weder das PEI noch das ihm übergeordnete Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beantwortet. Die Behörden geben sich augenscheinlich über jeden Zweifel erhaben – ohne ihn auszuräumen.

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