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Von Demonstrationen und dem Umgang damit – Russische und deutsche Medien im Vergleich

Von Demonstrationen und dem Umgang damit – Russische und deutsche Medien im Vergleich

Quelle: www.globallookpress.com © Konstantin VolkovBei den Protesten in Georgien zeigten die Demonstranten auch Plakate in englischer Sprache als besonderen Service für die anwesenden westlichen Medien.

Die unterschiedliche Berichterstattung über Demonstrationen in Europa verdeutlicht die Schieflage und das mangelnde Bemühen der großen deutschen Medien um Objektivität. Insbesondere der Vergleich mit der Berichterstattung in russischen Medien ist in dieser Hinsicht überraschend, denn im Gegensatz zum deutschen Mainstream gibt es dort weniger Auslassungen.

Man kann das am Beispiel Georgien zeigen. Dort wiederholt der deutsche Journalismus die Fehler seiner einseitigen Berichterstattung in der Ukraine im Jahr 2014. Dass es einen relevanten Teil der ukrainischen Bevölkerung nicht in Richtung EU gezogen hatte und er mit der bedingungslosen Hinwendung der Maidan-Demonstranten nach Westen nicht einverstanden gewesen war, kam für die Medienkonsumenten überraschend, die sich ausschließlich im Mainstream informiert hatten. Es war einfach nicht darüber berichtet worden.

Georgischer Premierminister verurteilt Kiew für Unterstützung der Proteste in Tiflis

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Das wiederholt sich jetzt in Georgien. Denn während ausführlich über die Proteste gegen ein Gesetz berichtet wurde, das in Georgien tätige Organisationen, die vom Ausland finanziert werden, zur Offenlegung verpflichten wollte, fiel der Bericht über die Gegendemonstration aus.

Darüber berichtete das russische Fernsehen. Es gab eine Demonstration, bei der unter anderem die Flagge der EU, die vor dem georgischen Parlament hängt, herabgerissen und verbrannt wurde. Das Verbrennen von Nationalflaggen steht in Georgien unter Strafe, erfuhr man in diesem Zusammenhang nebenbei. Die Täter müssen mit einer hohen Geldstrafe rechnen.

Warum vor dem georgischen Parlament eine Flagge der EU hängt, bleibt hingegen ein Rätsel. Georgien ist kein Mitglied der EU. Wichtig ist jedoch die Feststellung, dass auch die Georgier wie schon die Ukrainer nicht alle eine Annäherung an die EU wünschen. Deutsche Medien kehren dieses Tatsache unter den Teppich.

Unter den Teppich kehren sie auch den Gedenkmarsch der Veteranen der Waffen-SS in Riga, der jedes Jahr am 16. März stattfindet. Das russische Fernsehen berichtet ausführlich darüber. Die Demonstranten werden von der Polizei geschützt. Wovor, bleibt unklar, man ist unter Gleichgesinnten.

Insgesamt wurde nur eine Person vorläufig festgenommen. Das war der einzige öffentlich auftretende Gegendemonstrant: ein Abgeordneter, der in der lettischen Stadt Jelgava für die Partei Lettlands Russische Union im Stadtrat sitzt.

Der Nazi-Aufmarsch erfreut sich größerer werdender Beliebtheit. Echte Veteranen sind aus biologischen Gründen kaum noch vertreten. Was sich dort alljährlich in größer werdender Zahl versammelt, sind einfach Neonazis.

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Das passt natürlich nicht zur Selbstwahrnehmung der EU und dem Gerede von den westlichen Werten. Auch die #noAfD-Fraktion und die Antifa halten sich zu den Umtrieben im Baltikum erstaunlich bedeckt. Darauf angesprochen, wird auf Teufel komm raus relativiert. Nazis gebe es überall, wird gesagt, nur in Russland säßen sie in der Regierung, glaubt man in linksliberalen Kreisen in Deutschland. Also eigentlich alles in Butter in der EU, nur in Russland nicht, lasst sie ruhig marschieren.

Dass Berichte über mit faschistischer Symbolik geschmückte Fackelzüge in der Ukraine ebenfalls keine Erwähnung in Deutschland finden, muss in diesem Zusammenhang noch gesagt werden. In russischen Medien wird das natürlich abgebildet.

Über die Proteste in Frankreich anlässlich der Rentenreform berichten auch deutsche Medien. Der Ton ist aber anders. In Deutschland wird auf den demografischen Wandel verwiesen und darauf, dass es nun mal nicht anders gehe. Es sei zu Ausschreitungen gekommen, zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Sicherheitskräfte klingt beruhigend. Bilder von der dort herrschenden Polizeigewalt zeigt das russische Fernsehen.

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Polizeigewalt ist in der EU ein weit verbreitetes Problem. Nicht nur Frankreich, auch Deutschland musste sich schon für übermäßige Gewalt kritisieren lassen. Man möge die Bilder mit denen von Demonstrationen in Russland oder Weißrussland vergleichen. Keine Wasserwerfer, kein Tränengas, keine Verletzten. Dabei werden deutsche Medien nicht müde, auf die brutale Polizeigewalt in Russland hinzuweisen, die sie allerdings mit Bildmaterial nicht belegen können. Sie sollten ihren Blick in die EU richten, da würden sie fündig.

Auch in Moldawien gehen die Menschen seit Wochen auf die Straße. Der Grund ist einfach: Die Inflation liegt bei 30 Prozent, die Energiepreise explodieren, und die EU-affine Regierung möchte sich von russischen Gaslieferungen unabhängig machen. Auch in Moldawien sehnen sich nicht alle danach, in den gepflegten Garten namens EU einzutreten.

Russische Gaslieferungen hatten zudem den Vorteil, dass Russland mit den Zahlungsverzögerungen durch Moldawien immer sehr entgegenkommend umging. Westliche Lieferanten werden das anders handhaben. Jedenfalls gehen in Moldawien die Energiepreise durch die Decke und die Menschen auf die Straße. Sie fordern den Rücktritt von Präsidentin Maia Sandu.

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Während die Menschen in Moldawien, ohnehin mit das ärmste Land Europas, einen konkreten Grund haben, auf die Straße zu gehen, protestieren man in Georgien gegen ein Gesetz, das keinerlei Einfluss auf den eigenen Lebensstandard hat. Doch während deutsche Medien in Moldawien Russland am Werk sehen, wie es im Hintergrund die Strippen zieht, wird der Verdacht äußerer Einmischung in Georgien als Verschwörungstheorie zurückgewiesen.

Dabei hat die EU unmittelbar nach Rücknahme des Transparenzgesetzes Georgien 9,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Damit soll die Zivilgesellschaft widerstandsfähig gemacht werden. Den Geldfluss müssen die Organisationen nun nicht offenlegen. Damit bleibt intransparent, dass sich die EU in die inneren Angelegenheiten Georgiens einmischt.

Alles in allem: Man hat russische Medien in der EU und in Deutschland nicht verboten, weil sie so viele Falschinformationen verbreiten, sondern weil sie einfach den umfassenderen Journalismus bieten, der die Einseitigkeit der deutschen Berichterstattung aufzeigt und ihre propagandistische Wirkung begrenzen würde. Russische Medien machen zumindest aktuell den besseren Journalismus. 

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