Ausland

Zeichen der neuen Zeit: Die Welt bringt dem Westen Manieren bei

Zeichen der neuen Zeit: Die Welt bringt dem Westen Manieren bei

© Olivier Matthys, Pool Photo via APUS-Außenminister Anthony Blinken

Von Dmitri Kosyrew, RIA Nowosti

Die USA haben einen Besuch von Außenminister Anthony Blinken in China angekündigt, und zwar bereits für den 18. Juni. Doch in China wurde nichts dergleichen bestätigt. Und diese Situation wird gern kommentiert, ungefähr so: Sie beschweren sich, dass Peking ihnen gegenüber kalt eingestellt sei und dass sie mit ihm reden müssen, aber gleichzeitig inszenieren sie eine weitere Provokation.

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In diesem Fall war die Provokation eine Schreckensmeldung des Wall Street Journal (das Magazin und seine Bloomberg-Kollegen sind auf solche Dinge spezialisiert), wonach China in Kuba angeblich eine elektronische Überwachungsstation gegen die USA einrichten will. Sehen wir mal, wie diese jüngste Farce ausgeht, antwortet Pekings Global Times den Provokateuren und fügt hinzu: Die USA handeln immer so – sie denken wohl, dass sie mit solchen Methoden ihre Verhandlungsmacht stärken.

Nehmen wir an, dass der Besuch Blinkens trotzdem zum angegebenen Termin stattfinden wird. Interessant ist aber noch etwas anderes – diese neue Angewohnheit Pekings, die ehemalige alleinige Supermacht zu erziehen, ihr anständige Manieren beizubringen. Schließlich hat gerade diese Supermacht kürzlich eine gute Lektion gelernt, als Chinas Verteidigungsminister sich weigerte, seinen US-amerikanischen Amtskollegen zu treffen, obwohl sie sich im selben Konferenzraum befanden. Damit deutete Peking an, dass Washington erst die US-Sanktionen gegen den chinesischen Minister aufheben – und sich vielleicht sogar für die Verzögerung der Aufhebung entschuldigen – sollte, bevor es zu einem Treffen kommt. Peking hat es nicht eilig, Washington hingegen …

Vielleicht ist es eine rein chinesische Eigenart, den USA die Notwendigkeit, sich in der Diplomatie anständig zu verhalten, unter die Nase zu reiben? Aber genau das ist der Punkt: Es ist nichts dergleichen. Es ist nicht nur China, das dies tut, und nicht nur gegenüber den USA.

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Wie kann man erkennen, dass sich in der Welt noch nie dagewesene Veränderungen vollziehen? Sie sind meist auf eine anschauliche menschliche Episode zurückzuführen. Vor einer Woche ist zum Beispiel etwas Unvorstellbares passiert. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock reiste nach Brasilien, um bei einer Art Stiftung aufzutreten. Es wäre normal gewesen, wenn sie dort von ihrem brasilianischen Amtskollegen oder sogar vom Präsidenten des Landes empfangen worden wäre. Mehr noch, Baerbock verkündete sogar, was sie den Brasilianern gerne sagen würde – zum Beispiel, wie sie das Amazonasdelta erhalten sollten. Aber die Brasilianer weigerten sich, sich mit ihr zu treffen – sie waren zu beschäftigt.

Stellen wir uns nun Hans-Dietrich Genscher vor, oder Frank-Walter Steinmeier, oder… (… Ach, es gab so viele von ihnen). Und die Brasilianer sagen ihm: “Junge, mach du mal dein Ding, wir sind hier ein bisschen beschäftigt und haben keine Zeit für dich, und außerdem: Wo liegt dieses Deutschland eigentlich?”

Uns ist etwas ganz Ähnliches passiert. Baerbocks Chef, Bundeskanzler Olaf Scholz, sagte seinen Reportern, dass er seit einiger Zeit nicht mehr mit Wladimir Putin gesprochen habe, und ihn anrufen werde. Daraufhin wurde der Pressesprecher Putins, Dmitri Peskow, in Moskau von Journalisten darauf angesprochen und antwortete schmunzelnd: Ein Gespräch mit Scholz stehe nicht auf dem Terminplan von Präsident Putin. Grund für den Umgang mit Baerbock war also keine brasilianische Leidenschaft, aber der Effekt ist immer noch derselbe.

Washington sollte den BRICS aus dem Weg gehen

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Alles in allem entsteht eine Art neue Welt. Experten werden Ihnen sagen, warum dies in dieser Welt passiert: Die unvermeidliche Finanzkatastrophe der USA zum Beispiel, die die Flucht weiterer Länder oder Unternehmen aus dem US-Dollarraum beschleunigt; oder das Scheitern der westlichen Pläne, Russland mithilfe der Ukrainer zu besiegen; oder die Katastrophe der europäischen Volkswirtschaften, die aufgrund dieses Scheiterns begann; oder auch der Aufstieg Russlands in die Top Ten der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr.

Aber all dies ist – zumindest im ersten Moment – nur für die besagten Experten sichtbar, in Form von langweiligen Zahlen auf Computerbildschirmen. Wenn aber den Diplomaten der Westmächte überall auf der Welt systematisch gute Umgangsformen beigebracht werden, ist es für alle sichtbar und wird als Zeichen der Zeitenwende in die Geschichtsbücher eingehen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 13. Juni 2023 auf RIA Nowosti erschienen.

Dmitri Kosyrew ist ein russischer Journalist, Orientalist und politischer Analyst bei RIA Nowosti.

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